Hodenhochstand
Wenn sich ein oder beide Hoden nicht im Hodensack (Skrotum) unterhalb des Penis befinden, spricht man von einem Hodenhochstand, auch Kryptorchismus, versteckter Hoden oder „undescended testicles“ genannt. Obwohl diese Erkrankung relativ selten ist, tritt sie häufiger bei Frühgeborenen auf. Während der Entwicklung des männlichen Fötus entstehen die Hoden zunächst im Bauchraum in der Nähe der Nieren.
Was ist ein Hodenhochstand?
Wenn sich ein oder beide Hoden nicht im Hodensack (Skrotum) unterhalb des Penis befinden, spricht man von einem Hodenhochstand, auch Kryptorchismus, versteckter Hoden oder „undescended testicles“ genannt. Obwohl diese Erkrankung relativ selten ist, tritt sie häufiger bei Frühgeborenen auf. Während der Entwicklung des männlichen Fötus entstehen die Hoden zunächst im Bauchraum in der Nähe der Nieren. Etwa im siebten Schwangerschaftsmonat beginnen sie, in Richtung Leistenregion abzusteigen. Bis spätestens sechs Monate nach der Geburt sollten sie ihre endgültige Position im Hodensack erreicht haben. Die Hauptfunktion der Hoden besteht in der Produktion männlicher Hormone und von Spermien. Ein nicht abgestiegener Hoden kann weiterhin Hormone produzieren, die Spermienproduktion ist jedoch deutlich beeinträchtigt. Bei etwa 1 % der einjährigen Jungen wird ein Hodenhochstand diagnostiziert. Es handelt sich dabei um die häufigste angeborene Fehlbildung der männlichen Geschlechtsorgane bei Neugeborenen. Meist ist nur ein Hoden betroffen, jedoch liegt die Wahrscheinlichkeit eines beidseitigen Hodenhochstands bei etwa 10 %.
Ursachen des Hodenhochstands
Warum manche Hoden nicht absteigen, ist nicht vollständig bekannt.
Zu den Risikofaktoren gehören:
- Familienmitglieder mit Hodenhochstand oder anderen Fehlbildungen der Geschlechtsorgane
- Frühgeburt oder niedriges Geburtsgewicht
- Bedingungen, die das Wachstum des Babys im Mutterleib beeinflussen
- Alkohol- oder Nikotinkonsum der Mutter während der Schwangerschaft
- Langfristige Exposition gegenüber bestimmten landwirtschaftlichen Chemikalien
Arten des Hodenhochstands
Nicht abgestiegene Hoden werden bei der Untersuchung in tastbare (palpable) und nicht tastbare (non-palpable) Hoden eingeteilt. Etwa 70 % der Fälle sind tastbar. Ein tastbarer Hodenhochstand kann an jeder Stelle des normalen Abstiegsweges liegen geblieben sein. In manchen Fällen befindet sich der Hoden außerhalb des normalen Abstiegsweges; dies wird als ektoper Hoden bezeichnet. Bei einigen Patienten kann aufgrund eines starken Kremasterreflexes der Hoden zwischen Hodensack und Bauchraum hin- und herwandern; dies wird als retraktiler Hoden bezeichnet.
Ein nicht tastbarer Hoden befindet sich meist im Bauchraum. Er kann oberhalb des Leistenrings, in der Nähe der Niere, zwischen Enddarm und Harnblase oder nahe der Bauchwand liegen. Die Behandlung richtet sich nach der Lage und dem Vorhandensein des Hodens.
Ektopische tastbare Hoden benötigen eine Operation. Retraktile Hoden, die manuell in den Hodensack gebracht werden können, können bis zur Pubertät kontrolliert beobachtet werden. Wenn beide Hoden nicht tastbar sind und die Geschlechtsentwicklung normal erscheint, sollte eine endokrinologische und genetische Untersuchung durchgeführt werden. Eltern suchen meist ärztliche Hilfe, weil die Hoden im Hodensack nicht tastbar sind. In der Regel fällt dies bereits bei der Untersuchung unmittelbar nach der Geburt auf. In den ersten sechs Monaten sollten nicht abgestiegene Hoden regelmäßig kontrolliert werden. Wenn sie nicht spontan absteigen, wird eine Behandlung notwendig.
Diagnose
Körperliche Untersuchung
Durch die körperliche Untersuchung werden nicht abgestiegene Hoden als tastbar oder nicht tastbar eingestuft. Bildgebende Verfahren sind hierbei nur begrenzt hilfreich. Für die Untersuchung wird das Kind auf den Rücken gelegt und die Beine in eine „Froschposition“ gebracht. Wenn ein Hoden nicht tastbar ist und der andere größer als normal erscheint, kann der fehlende Hoden nicht entwickelt oder atrophisch sein. Außerdem sollte der Bauch visuell untersucht werden, um sicherzustellen, dass kein ektoper Hoden vorliegt.
Diagnostische Laparoskopie
Die laparoskopische Untersuchung des Bauchraums ist die einzige zuverlässige Methode zur Diagnose eines nicht tastbaren Hodens. Die Untersuchung sollte unter Vollnarkose erfolgen, da einige zuvor nicht tastbare Hoden unter Narkose plötzlich tastbar werden können.
BEHANDLUNG
Wenn der Hoden nicht spontan absteigt, ist eine Behandlung erforderlich. Ziel der Behandlung ist es, Probleme bei der Hormon- und Spermienproduktion zu verhindern und das Risiko für Hodenkrebs zu reduzieren, das im Vergleich zur Normalbevölkerung etwa 7–14-mal höher ist. Die Operation sollte idealerweise im Alter von etwa einem Jahr und spätestens bis zum 18. Lebensmonat durchgeführt werden.
Hormontherapie
In manchen Fällen kann eine Hormontherapie eingesetzt werden, um den spontanen Abstieg des Hodens in den Hodensack zu fördern. Diese Behandlung wird jedoch nur selten empfohlen, da die Operation deutlich effektiver ist.
Chirurgische Behandlung
Orchidopexie
Die Standardbehandlung des Hodenhochstands ist die operative Verlagerung des Hodens in den Hodensack, die sogenannte Orchidopexie. Mit dieser Operation wird nahezu eine Erfolgsrate von 100 % erreicht. Wenn der Hoden innerhalb der ersten sechs Lebensmonate nicht vollständig in den Hodensack abgestiegen ist, sollte die Operation innerhalb des folgenden Jahres durchgeführt werden. Eine verzögerte Behandlung kann später das Risiko für Unfruchtbarkeit und/oder Hodenkrebs erhöhen.
Bei einem tastbaren Hoden erfolgt die Operation über zwei Schnitte: einen im Bereich des Hodens und einen weiteren im Hodensack, wo der Hoden fixiert wird. Bei einem nicht tastbaren Hoden kann eine laparoskopische Untersuchung erforderlich sein. Dies ist die beste Methode, um den Hoden zu lokalisieren und erfordert eine Vollnarkose. Falls notwendig, kann der Hoden gleichzeitig laparoskopisch entfernt oder an die normale Position gebracht werden.
Nachsorge
Kinder mit einem Hodenhochstand können später grundsätzlich Vater werden. Jungen, die vor dem 18. Lebensmonat operiert wurden, haben nahezu die gleiche Fruchtbarkeit wie andere Männer. Kinder mit beidseitigem Hodenhochstand haben jedoch ein höheres Risiko für Unfruchtbarkeit. Deshalb kann nach der Pubertät eine Spermaanalyse empfohlen werden.
Außerdem ist das Risiko für Hodenkrebs bei Patienten mit Hodenhochstand deutlich erhöht (7–14-fach). Daher sind regelmäßige Kontrollen während der Pubertät und im Erwachsenenalter wichtig. Retraktile Hoden benötigen in der Regel keine medizinische oder chirurgische Behandlung, sollten jedoch bis zur Pubertät engmaschig beobachtet werden.
Die Informationen dienen nur der Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung.

